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Wenn Stille, laut wird

Wenn Stille, laut wird… das schrieb mir vor ein paar Tagen eine Dame im Chat. Besser könnte man manche Situationen nicht beschreiben. Tag zwei hat gerade Halbzeit und die Glocken unserer Kirche machen Werbung. Mittagszeit und das auf einen Sonntag. Besinnlich und ruhig geht es zu. Längst habe ich noch nicht den Kniff raus, wie ich was am besten machen kann. Meine Hausaufgabe mit 5 bis 10 Minuten Spaziergänge ist nicht die einfachste.

Wenn es nach Nick ging, wären wir wie gewohnt unterwegs und es fällt mir sehr schwer den Spielverderber zu mimen. Aber wenn der Arzt diese Aufgabe als wichtig erachtet, dann hat das seine Berechtigung. Eine, die ich in Erfahrung hätte bringen können, wenn mein Hirn mal auf voller Leistung gefahren wäre und nicht schon im *gleich-hab-ich-ihn-wieder* Modus auf Hochtouren lief und die Nebengeräusche damit überdeckten.

Heute war es dann so weit. Das Wetter, der alte Miesepeter, ist beleidigt und stürmt und regnet so vor sich hin. Dennoch sind wir Hundemenschen auf den Beinen und laufen in den wenigen Pausen dazwischen, sollte es sie je geben. Wenn nicht, steckt man in Gummistiefeln, dicken Outdoorjacken und Mützen. Mutig hob ich Nick in den Kofferraum, stellte Gayle daneben und kraulte Indy den Nasenrücken. „Auf geht’s in die Natur.“ Nick sah man förmlich an, dass es genau das war, was sein kleines Glück gerade perfekt macht.

Thomas ließ Gayle, Indy und mich auf mehr wie der halben Strecke raus und wir zogen durch den Monsum… nein, aber durch den Sturm und Regen auf Thomas und Nick zu. Die beiden hatten den Auftrag nach gut 5  min umzudrehen und wieder zum Auto zu gehen. Der Wind und das Wetter beschleunigten heute selbst Queen Mum und so waren wir bald wieder komplett. Nick knabberte seinen geliebten Borretsch am Wegesrand. Der Bauer wusste, warum er ihn noch nicht umgepflügt hatte.

Völlig durchweicht, also ich, hob ich den nicht durchweichten Nick (hat wohl die bessere Jacke für draußen, wie ich) ins Auto. Gelegenheit genutzt und mir mit seiner nassen Nase einmal ins Auge gepickt. Gayle und Indy noch in den Kofferraum verholfen und mit einem tiefen Seufzer die Tür verschlossen. Dicke Tropfen suchten sich einen Weg entlang der Arme auf meine Hose, die nichts mehr an Feuchtigkeit aufnehmen konnte.  So machten sich die Tropfen auf der Socken entlang folgend in die Schuhe.

Ehrlich, das war es wert. Gayle und Indy waren weniger erfreut, die Strecke war kurz, nass und viel zu viel Wind. Nick war selig. Absolut in seinem Zeitrahmen die Felder erkundet und dabei einen frischen Snack. Man hat den Eindruck, die Erlebnisse der vergangenen Tage fallen nach und nach von ihm ab. Selber kratzen oder knabbern, funktioniert ja nicht mit dem Trichter oder dem Gummireifen um die Rübe, aber er hat schon einen Weg gefunden, wie man sich dennoch leichte Erleichterung verschaffen kann.

Man kuschelt sich an Herrchen oder Frauli, ganz fest und macht dann Schlangenbewegungen um die Beine, einer Katze gleich. Da kann man sich hervorragend an den Beinen die juckenden Stellen kratzen. Armer Kerl, aber auch das machen wir so nicht einfach mit. Wo die Haare wachsen, wird einmal täglich ordentlich gekrault und massiert. Bis die Narben so weit sind, dass sie behandelt werden können, machen wir einen Termin bei der Physio, altes Wissen lieber noch einmal aufpolieren.

Es läuft also an und wenn Stille laut wird, gehört hoffentlich nun etwas länger auf die Reservebank.

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